Berlinfahrt Klasse 11

Klassenfahrt der 11. Klasse nach Berlin

7: 35 Uhr- Nürtingen – die Ersten treffen ein, die Stimmung wird von Vorfreude bestimmt. In Stuttgart wartet eine erste Herausforderung, die sich auch am Tag der Abreise erneut stellt. Es kann durchaus eine Weile dauern, bis eine Gruppe dieser Größe komplett auf einen ICE Waggon verteilt ist. Nun sind wir aber auf dem Weg. Langweilig wurde es auf der Fahrt aber definitiv nicht. Weiter hinten fanden sich bald drei Leute, die Gitarre spielten und sangen. Schon bald ist ein ansehnlicher Chor vorhanden, wobei die meisten nicht zu uns gehörten.

So weit, so gut. Wir erreichten den Berliner Hauptbahnhof. Der Eindruck ist im wahrsten Sinne des Wortes riesig. Die Herberge liegt etwas abseits vom Zentrum im Norden in der Nähe vom Tegelsee. Noch am selben Abend gingen ein paar von uns zum See. Es war schon lange dunkel, aber das Wasser hatte die Wärme des Tages gespeichert. Eine reinste Badewanne. Der erste Eindruck versprach eine tolle Zeit.

Das übliche Programm waren Sehenswürdigkeiten und interessante Orte am Vormittag sowie großzügig bemessene Freizeit am Nachmittag und am Abend. Als einziges Manko kristallisierte sich bald heraus, dass Gruppentickets für Bus und U-Bahn nicht bei allen gut ankamen, da unterschiedliche Interessen bestanden. Wir sahen den längsten erhaltenen Teil der Mauer, an dem sich etwa 100 Künstler aus der ganzen Welt auf sehenswerte Art und Weise malerisch ausgetobt hatten. Wir waren in der Kuppel und im Plenarsaal des Reichtages und sprachen mit einem Abgeordneten aus unserem Landkreis. Noch am selben Abend sahen wir eine sehr interessante Theaterform, die ohne Vorlagen auskommt und sich nach Wortern richtet, die aus dem Publikum kommen. Das jüdische Museum war auch auf dem Plan. Dort findet sich neben der Ausstellung eine ungewöhnliche, aber einmalige Architektur. Zum Schluss waren wir im ehemaligen Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen. Über all dies, was wir in Berlin sahen, gibt es viel zu sagen. Besser ist es, sich darauf zu reduzieren, dass es dort vor allem eines gibt: lebendige Geschichte. Allesamt sehr interessante Erfahrungen, die vielfältig zum Nachdenken anregen, selbst jetzt, in einer Zeit, in der so etwas als Vorstellung kaum noch greifbar wird.  Ein Besuch der Ausstellung „Frida Kahlo“ scheiterte leider für einige an der unerwartet langen Wartezeit. Am letzten Abend kam die ganze Klasse zusammen an den See Baden im Sonneuntergang, während sich langsam der Mond zeigte, in einem Wasser, das bald tiefschwarz war und in samtlichen Rottönen glänzte. Schlechte Stimmung war von Anfang bis Ende (fast) Fehlanzeige. Nachdem die Musik irgendwann mit dem Bus davonfuhr, lag ein Trupp noch bis um 4 Uhr dort, bis auf dem See keine Wellen mehr zu sehen waren und am Nachthimmel die Sternschnuppen vorbeisausten. Bis auf die Fledermäuse, einen Fuchs und uns war alles ruhig. Als wir uns dann auf den Rückweg machten, ging doch tatsächlich die Sonne langsam auf.

Nun sitzen wir alle auf dem Weg zurück im Zug. Das soll eine Woche gewesen sein? Ich könnte schwören, erst gestern dort hingefahren zu sein. Mit anderen Worten: Es war eine großartige Zeit!

Peter Kreutzer (S)